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C'est la vie. Das Paris von Daumier und Toulouse-Lautrec

Kuratorenseminar mit Dr. Jonas Beyer
25. Juni 2014 (11.00 Uhr - 13.00 Uhr)
ausgebucht
Wir bieten dieses Seminar alternativ auch am 24.6.2014 an.

„Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts“: So hat Walter Benjamin die französische Metropole in seinem berühmten, unvollendet gebliebenen „Passagen-Werk“ genannt. Mit Honoré Daumier (1808–1879) und Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901) führt eine Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle jetzt zwei Künstler zusammen, denen wir einige der eindrücklichsten Beschreibungen des Pariser Alltagslebens zwischen Julirevolution und Belle Époque verdanken.

Beide schildern das Paris ihrer Zeit aus der Perspektive des Außenseiters, gleichsam mit exzentrischem Blick. Daumier, der den revolutionären Idealen von 1830 und 1848 huldigte, nimmt in seinen satirischen Blättern das Bürgertum und dessen gesellschaftliche Umgangsformen aufs Korn. Seine Karikatur kenne „alle Nester des Infamen am Leibe des Bourgeois“, schrieb Julius Meier-Graefe schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Von Toulouse-Lautrec, dem kleinwüchsigen Sprössling eines alten südfranzösischen Adelsgeschlechts, stammen jene zugespitzten Momentaufnahmen aus der Welt der Bühne, des Bordells, der Straßen und der Nachtlokale, die unsere Vorstellung vom Paris des Fin de Siècle bis heute prägen.

Obgleich beide Künstler durch knapp zwei Generationen voneinander getrennt sind, offenbart ihre Gegenüberstellung doch überraschende Gemeinsamkeiten. Beide sind wahre Meister der Lithographie, und beide nutzen das Medium auf vergleichbare Weise für ihre scharfzüngigen Beobachtungen des Pariser Alltagslebens. Bisweilen tritt die Kunst Toulouse-Lautrecs sogar in eine direkte Zwiesprache mit derjenigen Daumiers. Wir wollen diesen künstlerischen Dialog in der Ausstellung nachvollziehen und im Seminarraum um wichtige Werke von Zeitgenossen ergänzen. Zusammengenommen ergibt sich so ein faszinierendes sittengeschichtliches Panorama der französischen Metropole im 19. Jahrhundert.

LEITUNG Dr. Jonas Beyer
TERMIN Mittwoch, 25. Juni 2014, 11 bis 13 Uhr
KOSTENBEITRAG 18 Euro, Zuzahlung für Nicht-Mitglieder 3 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Jonas Beyer
Dr. Jonas Beyer
Studium der Kunstgeschichte und Geschichte an der Freien Universität Berlin und an der Università degli Studi in Florenz. Freier Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Arbeit an einer Dissertation über „Edgar Degas und die Wiederentdeckung der Monotypie im 19. Jahrhundert“. Seit April 2011 Gustav-Pauli-Volontär der Freunde der Kunsthalle.