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Der Erste Weltkrieg und die Künste, Teil II: Kriegsfolgen. Callot, Goya, Dix und die Chapman-Brüder

Seminarreihe mit Dr. Karoline Künkler
28. September 2014 (12.00 Uhr - 18.00 Uhr)

Barocke Pracht lässt oftmals vergessen, dass eine Kette bewaffneter Konflikte das 17. Jahrhundert prägte, darunter der Dreißigjährige Krieg, mit dem ein militärhistorischer Brutalisierungsschub einherging. In seinem Radierzyklus „Les Grandes Misères de la Guerre“ (1633) brachte Jacques Callot die Schrecken dieses Verheerungsmarathons zu Papier, indem er – ein Novum in der Kunstgeschichte – die heroische Feldherrnperspektive verwarf und Opfer wie Täter zeigte, die in Folge vernichtender Kriegshandlungen zu Leichen oder „Krüppeln“ werden.

Rund zwei Jahrhunderte später erwies Francisco de Goya dem Lothringer seine Reverenz mit dem Radierwerk „Los Desastres de la Guerra“ (1810-20), das er sogar mit Callots Titelwort überschrieb. Indes tat der spanische Meister einen kühnen Vorgriff, indem er dem Bilderzyklus die typisch moderne, offene Form einer Folge verlieh – deshalb lässt uns das Kreisen der „Desastres“-Motive die destruktive Dynamik des Krieges als Schrecken ohne Ende erleben.

Seitdem alles, samt Kunstpraxis und Kriegsführung, hinter das Vorzeichen der Moderne geraten war, wirkten Goyas „Desastres“ prägend, für Slevogt, Grosz, Dix oder Picasso. Zu Hommagen wie „Der Krieg“ (1923/24) von Otto Dix hat sich neuerdings eine demontierende Rezeptionsweise hinzugesellt. Jake und Dinos Chapman ersteigerten für „Insult to Injury“ (2003) Abzüge der „Desastres“-Originalplatten, überzeichneten die Drucke in Comicmanier und erzielten im Kunsthandel mit diesen „Überarbeitungen und Verbesserungen“ (so der Untertitel) einen satten Profit. In der Rückschau bis zu Callot wollen wir besprechen, wie dieser künstlerisch vorgetragene Goya-Ikonoklasmus zu verstehen ist.

LEITUNG Dr. Karoline Künkler
TERMIN Sonntag, 28. September 2014, 12 bis 18 Uhr
KOSTENBEITRAG 40 Euro, Zuzahlung für Nicht-Mitglieder 10 Euro
Anmeldung erforderlich

Dr. Karoline Künkler
Dr. Karoline Künkler
Studium der Bildenden Kunst, Kunstgeschichte, Kunstsoziologie, Erziehungswissenschaften und Germanistik an der Kunstakademie sowie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dort Promotion mit der Dissertation „Aus den Dunkelkammern der Moderne. Destruktivität und Geschlecht in der Bildenden Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts“ (erschienen 2012). Dozentin und Autorin für Kunstgeschichte, Lehraufträge an den Universitäten Oldenburg und Düsseldorf.