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Stadtentwicklung in Hamburg. Teil I: Vom Gängeviertel zur modernen Stadtplanung

Dr. Katrin Schmersahl
26. April 2015 (11.00 Uhr - 15.00 Uhr)

„Eure Hoheit, ich vergesse, dass ich in Europa bin“ – so lautete das vernichtende Urteil des Berliner Arztes Robert Koch über die Gängeviertel, die er 1892 anlässlich der Choleraepidemie in Hamburg besucht hatte. Aufgrund der dort herrschenden katastrophalen hygienischen Zustände, aber auch infolge sozialer und politischer Bestrebungen begannen bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Sanierungsmaßnahmen durch Abriss. An Stelle der Gängeviertel entstanden zunächst u. a. die Colonnaden und die Speicherstadt. Doch erst mit dem Bau der Mönckebergstraße (und der U-Bahn) ab 1906 begann in Hamburg eine moderne Stadtplanung, auf die vor allem der 1909 zum Baudirektor und Leiter des Hochbauwesens berufene Fritz Schumacher zunehmenden Einfluss haben sollte.

Wenig später erhielt auch die damals noch eigenständige Nachbarstadt Altona mit dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister Max Brauer und dem Bausenator und Stadtbaurat Gustav Oelsner zwei konsequente Verfechter einer modernen Stadtentwicklung. Wie Schumacher, mit dem er eng zusammenarbeitete, zählt auch Oelsner zu den herausragenden Architekten der Moderne. Er verband die zeitgenössische Bauästhetik mit der nordischen Backsteintradition, und als Altonaer Stadtbaurat hat er maßgeblich dazu beigetragen, Altona moderner und sozial gerechter zu gestalten. Seine Absicht war es, die im Zuge der Industrialisierung entstandenen negativen Auswirkungen der innerstädtischen Verdichtung durch eine gezielte Siedlungs- und Grünpolitik zu korrigieren. So verdanken wir ihm u. a. die Anlage des Elbewanderwegs. Die Freundschaft zwischen Schumacher und Oelsner, ein anrührendes Dokument moderner Zeitgeschichte, sollte sich auch in den Tagen des Exils (für Oelsner) und der Not im Krieg (für Schumacher) bewähren.

Die Reihe wird fortgesetzt.

LEITUNG Dr. Katrin Schmersahl
TERMIN Sonntag, 26. April 2015, 11 bis 15 Uhr
KOSTENBEITRAG 26 Euro, Zuzahlung für Nicht-Mitglieder 5 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Katrin Schmersahl
Dr. Katrin Schmersahl
Studium der Geschichte und Literaturwissenschaft in Tübingen und Hamburg, promovierte Historikerin. Teilnahme am Forschungsprojekt „Geschlechtergeschichte der Politik“; wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg. Seit Jahren in der Erwachsenenbildung engagiert und begeisterte „Elbläuferin“ und Parkführerin (www.elbblicke.de). Jüngste Veröffentlichungen u. a.: „Hamburger Elbblicke. Die Geschichte der Parks, Landhäuser und Familien entlang der Elbchaussee“ sowie gemeinsam mit Jürgen Weber „Spaziergänge am Elbufer und durch die Parks“ (beide 2012).