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Zwischen nackt und Akt: Der weibliche Akt in der Kunstgeschichte

Seminar mit Dr. Anna Heinze
02. August 2015 (12.00 Uhr - 15.00 Uhr)
ausgebucht
Wir bieten dieses Seminar alternativ auch am 9. August 2015 an.

Als Félix Vallottons Gemälde „Baigneuse de face“ 1908 in die Sammlung von Arthur und Hedy Hahnloser gelangte, war die Neugierde der Winterthurer auf die Aktfigur ebenso groß wie die Empörung, und die Hahnlosers sprachen von einem „erfolgreichen Skandal“.

Der unbekleidete weibliche Körper ist seit der Antike eines der wichtigsten künstlerischen Motive. Ausgehend von Gemälden und Skulpturen in der Ausstellung „Verzauberte Zeit. Cézanne, van Gogh, Bonnard, Manguin. Meisterwerke aus der Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler“ wollen wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der künstlerischen Umsetzung des Motivs untersuchen, Entstehungszusammenhänge und Rezeptionsbedingungen beleuchten und die Ikonographien, mit denen das Motiv verknüpft ist, ermitteln. Bei Abstechern in die Sammlungspräsentation „Spot on. Meisterwerke der Hamburger Kunsthalle“ werden wir fragen, was Jan Massys‘ „Flora“ mit Aristide Maillols gleichnamiger Bronzeskulptur verbindet, wo weibliche Nacktheit im Zusammenhang mit christlichen Bildthemen bei den Alten Meistern zu finden ist und wieso nur zwei der drei Göttinnen in Anselm Feuerbachs „Urteil des Paris“ unbekleidet sind.

Spätestens seit der englische Kunsthistoriker Kenneth Clark in den 1950er Jahren eine kategoriale Trennung zwischen „naked“ und „nude“ – zwischen dem Nackten und dem Akt – vornahm, wird weibliche Nacktheit in der Kunstgeschichte unterschiedlich bewertet: Sie kann als eine mit Scham besetzte Blöße, aber ebenso als sinnliche, ideale Schönheit interpretiert werden. Eine solche Unterscheidung kann helfen, den Skandal, den moderne Maler wie Édouard Manet oder später Félix Vallotton mit ihren Versionen des Motivs provoziert haben, besser zu verstehen.

Die Veranstaltung findet im Seminarraum, in der Ausstellung „Verzauberte Zeit“ sowie in der Sammlung statt.

LEITUNG Dr. des. Anna Heinze
TERMIN Sonntag, 2. August 2015, 12 bis 15 Uhr
KOSTENBEITRAG 22 Euro, Zuzahlung für Nicht-Mitglieder 5 Euro
Anmeldung erforderlich

Dr. Anna Heinze
Dr. Anna Heinze
Studium der Kunstgeschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Kommunikationswissenschaften in Bamberg und Berlin. 2009 bis 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2014 Promotion zum Motiv des liegenden Frauenaktes in der Malerei der Renaissance. Von 2013 bis 2015 Volontärin an der Hamburger Kunsthalle, seit 2016 Kuratorin für Bildende Kunst und Kunstgewerbe am Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg.