Toggle Menu

Emil Nolde – Bekenntnisse eines deutschen Malers

Vortrag mit Isgard Kracht, M. A.
05. November 2015 (19.00 Uhr - 20.30 Uhr)
Karten im Vorverkauf an den Kassen der Hamburger Kunsthalle

„Politiker werden, – der Himmel bewahre mich davor. Der Kunst gehört mein Sein.“ Was der Maler Emil Nolde (1867–1956) einst einem Freund anvertraute, gipfelte ausgerechnet 1934 in einer öffentlichen Proklamation: „Deutscher Künstler, das bin ich“, schrieb der friesische Bauernsohn in seiner Autobiographie, mit der er sich ein Denkmal als „Magus des Nordens“ schaffen wollte. Denn auch im zweiten Jahr des NS-Regimes rang Emil Nolde um offizielle Anerkennung – freilich vergeblich.

Sein Werk, das bereits in der Weimarer Republik als „urtümlich deutsch“ gefeiert und verehrt wurde, sollte im Nazi-Deutschland zunehmend aus der Öffentlichkeit verschwinden: 1937 entzog die Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ den deutschen Museen allein von Nolde 1102 Arbeiten. Nur wenige Jahre später traf den Maler das Berufsverbot. Noldes Kunst, jene so farbgewaltige, rohe Bilderwelt, die aus heimischem Naturerlebnis, nordischen Mythen sowie aus der Ursprünglichkeit außereuropäischer Kulturen schöpfte, war im „Dritten Reich“ nicht mehr erwünscht.

Dennoch verlor der Künstler weder das Vertrauen in seine Kunst noch – und dies zeigt insbesondere die jüngste Nolde-Forschung – seinen Glauben an die politische Führung: Bis zum Zusammenbruch der Hitler-Diktatur sollte es Nolde nicht gelingen, sich von der nationalsozialistischen Weltanschauung und ihrer Leitfigur zu distanzieren. Die lang ersehnte Rehabilitation erlebte der Maler allerdings erst nach 1945: Nun wurde aus dem prominenten Opfer der Aktion „Entartete Kunst“ der „große alte Mann“ der deutschen Kunst.

Isgard Kracht gibt in ihrem Vortrag einen Einblick in Noldes künstlerisches Sendungsbewusstsein, das aller Selbstbekenntnisse zum Trotz von seinem politischen Selbstverständnis nicht zu trennen ist.

VORTRAG Isgard Kracht, M. A.
MODERATION Dr. Karin Schick
TERMIN Donnerstag, 5. November 2015, 19 bis 20.30 Uhr
ORT Veranstaltungsraum der Galerie der Gegenwart
KOSTENBEITRAG 8 Euro, Studierende bis 30 Jahre 5 Euro
Karten im Vorverkauf an den Kassen der Hamburger Kunsthalle
keine Anmeldung erforderlich

 Isgard Kracht, M. A.
Isgard Kracht, M. A.
Studium der Kunstgeschichte und Neueren Deutschen Literatur in Münster, Oldenburg und Berlin. Wissenschaftliche Assistenz der Forschungsstelle Max Ernst am Deutschen Forum für Kunstgeschichte, Paris; Provenienzforschung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Die Promotion über die Rezeption des Expressionismus im NS-Staat am Beispiel von Ernst Barlach, Franz Marc und Emil Nolde steht vor dem Abschluss.