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#2246

Torso – Reine Form und Kunst-Symbol der Moderne

Seminar mit Dr. Karoline Künkler
08. April 2017 (12.00 Uhr - 18.00 Uhr)

Steht man vor der Westfassade des Gründungsbaus der Hamburger Kunsthalle und lenkt den Blick weg vom lichten Eingangsbereich nach oben rechts, erblickt man die Allegoriegruppe der Plastik. Anlässlich der Neupräsentation der Skulpturensammlung wollen wir uns in diesem Seminar einem Schlüsselmotiv der Bildhauerei der Moderne widmen: dem Torso.

Bereits unter den beiden ersten Direktoren Lichtwark und Pauli hatte sich das 19. und 20. Jahrhundert als Sammlungsschwerpunkt herausgeschält. Erwerbungen erfolgten unter Hinwendung zur Gegenwart, ab 1900 hieß das: zur Moderne. Auf dem Gebiet der Plastik hatte sie mit Rodin Einzug gehalten und sich in ganz Europa ab 1910 in Gestalt seines „Schreitenden“ (1877–1900) durchgesetzt. Mit Rodins kopflosem „Avantgardisten“ wird zugleich ein Torso – eine als unvollendetes Werk konzipierte Plastik – zur epochemachenden Grundform der neuen, abstrakten Kunstauffassung. Da sein Gegenstand das körperliche Kernstück des menschlichen Rumpfes in seiner Geschlechtlichkeit ist, fungiert der Torso als Symbol generativer Vitalität schlechthin, speziell künstlerischer Kreativität. Insbesondere der weibliche Torso tritt uns als greifbares Inbild männlicher Schöpferkraft gegenüber, seit Brancusi als „reine“, von allem Fleischlich-Materiellen „befreite“ Form.

Anhand der maßgeblichen Werke der Bildhauereigeschichte, aber auch mit Blick auf Hamburger Beispiele wie Rodins „Pierre de Wissant“, Despiaus „Torso” (1928) und Wotrubas „Torso“ (1953/54) wollen wir die Entwicklung vom Naturalismus zur Abstraktion nachzeichnen und ausloten, warum der Torso als Skandalon galt und inwiefern er dem Drang nach radikaler Reduktion aufgrund seiner Ausrichtung am Anblick menschlicher Leiblichkeit Grenzen setzt.

Das Seminar findet im Veranstaltungsraum sowie in der Sammlung statt.

LEITUNG Dr. Karoline Künkler
TERMIN Samstag, 8. April 2017, 12 bis 18 Uhr
KOSTENBEITRAG 40 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 10 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Karoline Künkler
Dr. Karoline Künkler
Studium der Bildenden Kunst, Kunstgeschichte, Kunstsoziologie, Erziehungswissenschaften und Germanistik an der Kunstakademie sowie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dort Promotion mit der Dissertation „Aus den Dunkelkammern der Moderne. Destruktivität und Geschlecht in der Bildenden Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts“ (erschienen 2012). Dozentin und Autorin für Kunstgeschichte, Lehraufträge an den Universitäten Oldenburg und Düsseldorf.