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Atelierbesuch bei Bernhard Prinz: Modell und Maßstab

Atelierbesuch bei Bernhard Prinz
03. Dezember 2014 (19.00 Uhr - 20.30 Uhr)
ausgebucht
Moderation: Veronika Schöne

Die Fotografien von Bernhard Prinz zeigen stark stilisierte Porträts und Interieurs, in denen er die Kunstgeschichte aufruft. Was man sieht, scheint vertraut. Eine Frau mit entblößter Brust erinnert an den Typus der Maria lactans, der milchgebenden Madonna, und ein Mädchen nimmt die Pose einer rassigen Tänzerin ein. Doch bei genauerem Hinsehen erweist sich der schöne Schein als trügerisch: Die selbstbewusste Pose kontrastiert mit den Körpern, die perfekte Inszenierung mit den schäbigen Klamotten. Die Madonna trägt Militärkleidung, und die Tänzerin entblößt unter ihrem Rock eine Hautkrankheit. Auch in den „Latifundien“, stilllebenartigen Interieurs, bahnen sich Chaos und Verwahrlosung ihren Weg durch die Hochglanzästhetik der Inszenierung.

Bernhard Prinz nutzt das Ideal als Schablone, das sich in Darstellungskonventionen festgeschrieben hat. Nicht nur in der Ikonographie des Christentums oder der antiken Mythologie, sondern auch in Haltungen, Blicken, Draperien und Arrangements, wie sie die Alten Meister perfekt inszeniert haben. Deshalb erinnern seine Fotoarbeiten auch an die Kunstgeschichte, ja - sie rufen sogar Stile auf wie etwa den der Renaissance oder des Klassizismus.

Gleichzeitig nutzt der documenta-Künstler das Ideal auch als Maßstab der Schönheit, die er aus seinen Modellen herausarbeitet. So stilisiert die Fotos wirken, so wenig erscheinen die Haltungen tatsächlich künstlich, den Personen aufgezwungen. Diese gehen vielmehr in den Posen auf, finden sich auf eine eigentümliche Weise dennoch darin wieder. In einer Art doppelter Umkehr vereint Prinz Natürlichkeit und Künstlichkeit und trifft damit den Nerv der Zeit. Wir wollen den Künstler in seinem Atelier besuchen, mit ihm über die Grenze von Schönheit und Verfall sprechen und seine neuesten Arbeiten kennenlernen.

MODERATION Veronika Schöne, M. A.
TERMIN Mittwoch, 3. Dezember 2014, 19 bis 20.30 Uhr
KOSTENBEITRAG 15 Euro inkl. Snacks und Drinks, Studierende bis 30 Jahre 12 Euro, Zuzahlung für Nicht-Mitglieder 3 Euro
Anmeldung erforderlich

 Bernhard Prinz
Bernhard Prinz
Studium der Kunstgeschichte und Malerei in Erlangen und Nürnberg. 1984 Arbeitsstipendium der Freien und Hansestadt Hamburg, 1986 Förderpreis des Kulturkreises des BDI, Köln, 1994 Villa Massimo Stipendium, Rom, 2005 Kunstpreis der Deutschen Fotografischen Akademie, Stuttgart. Seit 2004 Professur für Experimentelle Fotografie an der Kunsthochschule Kassel. Einzel- und Gruppenausstellungen wie documenta 8 Kassel (1987), Serpentine Gallery London (1988), Wiener Sezession (1990), Hamburger Kunsthalle (1996), Museum Folkwang Essen (2003). Museum Ludwig Budapest (2013). Lebt und arbeitet in Hamburg und Kassel.