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#2502

Rosa und Anna Schapire – Sozialwissenschaft, Kunstgeschichte und Feminismus um 1900

Buchvorstellung und Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Burcu Dogramaci und Dr. Leonie Beiersdorf
10. Dezember 2017 (12.00 Uhr - 13.30 Uhr)

Die aus einer jüdischen Familie in Brody (Galizien) stammenden Schwestern Rosa und Anna Schapire sind heute weitgehend vergessen. Rosa Schapire (1874–1954) ist als Kunsthistorikerin und passionierte Sammlerin und Förderin der Expressionisten immerhin in kunstinteressierten Kreisen ein Begriff. Dagegen verschwand die Sozialwissenschaftlerin, Übersetzerin, Lyrikerin und Publizistin Anna Schapire (1877–1911) fast gänzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung. Allenfalls tauchte ihr Name im Zusammenhang mit dem des bedeutenden österreichischen Nationalökonomen und Wissenschaftstheoretikers Otto Neurath auf, dessen Ehefrau sie bis zu ihrem frühen Tod war – ohne dass freilich ihr intellektueller Anteil an seiner Forschung groß Erwähnung gefunden hätte.

Der von Burcu Dogramaci und Günther Sandner herausgegebene Sammelband „Rosa und Anna Schapire – Sozialwissenschaft, Kunstgeschichte und Feminismus um 1900“ will dies nun korrigieren. Mit 12 Beiträgen aus unterschiedlichen Fachrichtungen rekonstruiert das Buch das Umfeld der Familie in Brody, heute Teil der Westukraine, und erzählt anschaulich die Biographien zweier außergewöhnlicher Frauen, die zu den ersten promovierten Akademikerinnen im wilhelminischen Kaiserreich gehörten. Trotz unterschiedlicher Lebenswege verband beide das ausgeprägte Interesse an Kunst und Literatur sowie das Engagement für Sozialismus und Frauenbewegung.

Anna Schapire starb 1911, wenige Wochen nachdem sie ihren Sohn zur Welt gebracht hatte, an den Spätfolgen der Geburt. Rosa Schapire musste 1939 nach England emigrieren, wo sie im Jahr 1954 starb. Die Herausgeberin Burcu Dogramaci und die Mitautorin Leonie Beiersdorf stellen ihr Buch und das ungewöhnliche Leben der beiden Schwestern vor.

IM GESPRÄCH Prof. Dr. Burcu Dogramaci, Dr. Leonie Beiersdorf
TERMIN Sonntag, 10. Dezember 2017, 12 bis 13.30 Uhr
ORT Veranstaltungsraum Galerie der Gegenwart
KOSTENBEITRAG 8 Euro, Studierende bis 30 Jahre 5 Euro (für Nichtmitglieder zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Leonie Beiersdorf
Studium der Wirtschaftswissenschaften in Mainz und der Kunstgeschichte in Cambridge sowie am Courtauld Institute of Art in London. Volontariat am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin zum Wandel der ostdeutschen Erinnerungskultur. Im Anschluss wissenschaftliche Mitarbeit an der Hamburger Kunsthalle sowie am Museum für Kunst und Gewerbe; seit 2015 Leiterin der Sammlung Kunst und Kunsthandwerk 1800–1945 am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
Prof. Dr. Burcu Dogramaci
Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Hamburg. Promotion über die Mode- und Pressegraphik der Weimarer Republik und die Berliner Modezeichnerin Lieselotte Friedlaender; Habilitation über „Kulturtransfer und nationale Identität. Deutschsprachige Architekten, Stadtplaner und Bildhauer in der Türkei nach 1927“. Seit 2009 Professorin für Kunstgeschichte mit besonderer Berücksichtigung des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart an der Ludwig-Maximilians-Universität München.