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Neubeginn

Neubeginn

Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ standen auch die Freunde der Kunsthalle vor einem kompletten Neuanfang, der unter schwierigen Bedingungen erfolgreich angegangen wurde.

Die erste Nachkriegssitzung des neuen Vereinsvorstands fand am 22. Oktober 1945 statt. Mit Ausnahme Hans Harder Biermann-Ratjens, der im Juni 1945 Präses der Kulturbehörde geworden war, schieden alle alten Vorstandsmitglieder aus dem Amt. Biermann-Ratjen wurde für kurze Zeit Vorsitzender der Freunde und blieb bis 1951 im Vereinsvorstand aktiv. Diesem gehörte nun auch Carl Georg Heise an, seit Oktober 1945 neuer Direktor der Kunsthalle. Er war es, der in den folgenden Jahren das Veranstaltungsprogramm der Freunde gestaltete.

Heise war bestrebt, inhaltlich eine Zäsur zur vorangegangenen Zeit zu setzen und dem Vortragswesen der Freunde die Internationalität wiederzugeben, die es während der NS-Zeit verloren hatte. So organisierte er 1948 mit Unterstützung der britischen Militärregierung die Vortragsreihe „Englische Kunst“. Nach und nach gelang es dem neuen Kunsthallendirektor wieder, bedeutende auswärtige Referenten für Vorträge bei den Freunden nach Hamburg zu holen, so z. B. Herbert von Einem, Ludwig Curtius oder Romano Guardini.

Die erste Aktivität des Vereins nach dem Krieg war die Organisation der Ausstellung „Meisterwerke aus dem Besitz der Hamburger Kunsthalle“, die in den Oberlichträumen der Kunsthandlung Louis Bock & Sohn in den Großen Bleichen 34 vom Spätherbst 1945 bis zum Frühling 1946 stattfand. Seitdem haben die Freunde immer wieder Ausstellungen der Kunsthalle unterstützt, auch durch den Druck von Katalogen oder durch die Übernahme des Katalogverkaufs.

Unmittelbar nach dem Krieg hatten die Freunde viel Zulauf. 1946 stieg die Mitgliederzahl auf über 2.500 Mitglieder und erreichte damit wieder die Höhe des Jahres 1927. Wie schon in der Gründungsphase des Vereins hatten auch in den Nachkriegsjahren viele Hamburger das Bedürfnis, sich „in einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Erschütterung“ mit Kunst zu beschäftigen.

Im Herbst 1950 nahmen die Freunde wieder Exkursionen in ihr Programm auf. Die Ausflüge führten zunächst in Orte der näheren Umgebung wie Lübeck und Bremen, später dann auch nach Seebüll und Berlin. Mit den wachsenden Reisemöglichkeiten der fortschreitenden 1950er Jahre schlossen sich Fahrten nach Belgien, Dänemark, Frankreich, Holland, Italien, Österreich und Spanien an.

Außerdem erweiterten die Freunde Anfang der 1950er Jahre das Sortiment des Verkaufsstandes, den sie bereits seit 1924 in der Kunsthalle betrieben. Nunmehr wurden auch Postkarten angeboten, die vom Verein produziert wurden. 1960 wurde ein neuer Stand in der Rotunde eröffnet, mit dem die Verkaufstätigkeit stark zunahm.

Das Vereinsleben der Freunde war bis in die Mitte der 1950er Jahre hinein durch Kriegseinwirkungen stark beeinträchtigt. Der Vortragssaal der Kunsthalle war 1944 durch Bombentreffer beschädigt worden. Dadurch war der Kern der Vereinstätigkeiten, das Vortragswesen, am gewohnten Ort zum Erliegen gekommen. Die Vorträge und ihre Besucher begaben sich auf eine lange Wanderschaft: Vom Thalia-Theater in die Musikhalle, später in die Aula der Schule Curschmannstraße und die Klosterschule beim Berliner Tor, ab Frühjahr 1948 dann in den Hörsaal A der Universität, dem damaligen Auditorium Maximum.

Die Einschränkungen der Nachkriegszeit gingen für die Freunde mit der Eröffnung des neuen Vortragsaales der Kunsthalle zu Ende, der nach dreijähriger Bauzeit seit dem 18. Januar 1954 wieder zur Verfügung stand. Das Interesse an den Vorträgen war jetzt so groß, dass der neu errichtete Saal mit 750 Sitzen trotz der Wiederholung jedes Vortrags nicht ausreichte. Auf Verlangen der Feuerpolizei kam es zu einem Aufnahmestopp bei den Freunden, der erst 1958 aufgehoben wurde, als jeder Vortrag dreimal gehalten wurde – ein Unikum bei einem deutschen Museumsförderverein.