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 Unter dem Hakenkreuz

Unter dem Hakenkreuz

Auch in der Geschichte der Freunde der Kunsthalle stellt die Machtergreifung der Nationalsozialisten einen tiefen Einschnitt dar. Das NS-Regime entwickelte eine Praxis der Kunstförderung, die durch die zwangsweise Verbindung von Kunst und Staat gekennzeichnet war.

Die Gleichschaltung der Freunde bedeutete den Verlust der Selbstständigkeit und die Ausrichtung der Vereinsaktivitäten auf die Ziele der nationalsozialistischen Regierung. Entscheidend für diesen Kurswechsel wurde die Vorstandssitzung am 10. Juni 1933. Der Dichter und Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer spielte als Repräsentant des Kampfbundes für deutsche Kultur die maßgebliche Rolle. Der Kampfbund war eine NSDAP-nahe Organisation, die einen völkisch-rassistischen Kunstbegriff vertrat. Obwohl Niemeyer seit 1927 nicht mehr dem Vorstand des Vereins angehörte, nahm er gegen den Widerstand Gustav Paulis und der übrigen Vorstandsmitglieder an der Sitzung teil, um eine vom Kampfbund erstellte Vorstandsliste einzubringen.

Als Ergebnis der Sitzung schickte Pauli noch am selben Tag eine Vorschlagliste für die Wahl des neuen Vorstandes der Freunde an den Kampfbund. Dies war seine letzte Amtshandlung für die Freunde der Kunsthalle. Der neue Vorstand wurde dann nicht mehr gewählt, sondern vom Ersten Bürgermeister Carl Vincent Krogmann bestimmt und war bis auf zwei Ausnahmen völlig neu zusammengesetzt.

Neuer Vorsitzender wurde Hermann Maetzig, der ab Anfang Oktober auch die Amtsgeschäfte in der Kunsthalle leitete; Pauli wurde Ende September 1933 als Direktor der Kunsthalle in den Ruhestand versetzt. Von Seiten der Vereinsmitglieder gab es keinerlei Widerstände gegen die Neubesetzung des Vorstandes, sie bestätigten diesen nach kurzer Aussprache auf ihrer Mitgliederversammlung am 31. Oktober 1933.

Die Ära Maetzig währte nicht lange. Bereits im April 1934 musste er wegen seiner Zugehörigkeit zu den Freimaurern alle Ämter aufgeben. Sein Nachfolger Wilhelm Freiherr Kleinschmit von Lengefeld blieb bis August 1937 verantwortlicher Leiter der Kunsthalle und Vorsitzender der Freunde. An der Aktion „entartete Kunst“, der im Sommer 1937 die von Pauli aufgebaute Sammlung der Moderne zum Opfer fiel, war er allerdings nicht beteiligt. In Kleinschmits Amtszeit kam es jedoch zum Ausschluss der jüdischen Vereinsmitglieder. Dies markiert das schwärzeste Kapitel in der Geschichte des Vereins.

Zu Beginn des Jahres 1936 wurde die Satzung der Freunde offiziell um einen „Arierparagraphen“ ergänzt. Doch bereits am Ende des Geschäftsjahres 1935 hatten die jüdischen Mitglieder den Verein verlassen müssen. Im September 1935 wurde das neue Veranstaltungsprogramm mit einer Mitteilung Kleinschmits versandt. Dort hieß es, die Mitgliedskarte werde nur an solche Personen ausgestellt, die eine Erklärung unterschrieben, dass sie „ arischer Abstammung“ seien.

Allein 29 jüdische Stifter, also finanziell besonders engagierte Mitglieder, mussten im September und Oktober 1935 den Verein verlassen. Unter ihnen finden sich so berühmte Namen wie Bleichröder, Budge oder Warburg. Hinzu kamen noch ungefähr 100 ordentliche Mitglieder, die ausgeschlossen wurden. Vor diesem Hintergrund verwundert wenig, dass die Mitgliederzahl der Freunde im Jahr 1936 mit 1.124 Mitgliedern einen historischen Tiefststand erreichte.

Das Vortragsprogramm der Freunde während der NS-Zeit gestaltete in erster Linie Wilhelm Niemeyer, der seit August 1933 Schriftführer des Vereins war. Wie bereits Pauli gelang es auch ihm, eine Reihe bekannter deutscher Kunsthistoriker zu gewinnen. Es sprachen Universitätsprofessoren wie Hans Jantzen, Hans Kauffmann oder der mit Niemeyer befreundete Wilhelm Pinder. Obwohl die Kunsthalle mit Beginn des Zweiten Weltkrieges für das Publikum geschlossen wurde, boten die Freunde weiterhin Vorträge an. Diese wiesen allerdings – anders als zu Zeiten der Weimarer Republik – inhaltlich nur wenig direkte Bezüge zum Sammlungsbestand der Kunsthalle auf.