Toggle Menu

Antonio Calderara. Licht-Räume. Malerei aus fünfzig Jahren

Kuratorenführung mit Dr. Karsten Müller
14. April 2018 (15.00 Uhr - 16.00 Uhr)

Kleine Bilder von großer Delikatesse malte der norditalienische Maler Antonio Calderara (1903-1978), zarte Gestalten in grazilen Posen, Stilleben und Landschaften. Alles wirkt gleichermaßen versunken, in Nebel gehüllt, von Stille umgeben. Schon in diesem figurativen Frühwerk ist sein Weg in die Abstraktion vorgezeichnet, der ihn vom beleuchteten Objekt zum Licht selber führte, dem Licht, ohne das keine Wahrnehmung, keine Erkenntnis, keine Kunst möglich ist.

„Ich möchte das Nichts malen, das das Ganze ist.“ Von heute aus gesehen nimmt sich der Wechsel äußerst konsequent aus, sind doch schon Calderaras gegenständlichen Werke von einer atmosphärischen Lichträumlichkeit durchzogen, die sich in der pudrigen Pastelligkeit der späteren abstrakten wieder findet.

Nachdem er 1924 ein Ingenieurstudium zugunsten der Malerei aufgegeben hatte, schuf Calderara als Autodidakt bis zum Ende der 1950er Jahre ausschließlich figurative Bilder: Porträts, Stillleben und Landschaften. Bevorzugtes Motiv war der oberitalienische Orta-See, an dem der Künstler einen Großteil seines Lebens verbrachte.

Die über Jahrzehnte entstandenen Ansichten zeigen nicht nur den See im Wandel der Jahreszeiten und Lichtstimmungen, sondern dokumentieren auch eindrucksvoll die stilistische Transformation: Auf das neoimpressionistische Frühwerk in der Nachfolge Georges Seurats folgen Bilder, deren Tendenz zur Monochromie und formalen Reduktion die Auseinandersetzung mit Giorgio Morandi und Piet Mondrian verraten. Erst um 1959 verdichtet der 56-Jährige seine Landschaftseindrücke zu abstrakten Gemälden – der letzte Schritt auf dem Weg vom See- zum „Seh-Stück“.

Doch selbst jetzt noch tauchen in Calderaras kleinformatigen, in subtilsten Farbnuancen und transparenten Lasuren bemalten Holztafeln Reminiszenzen an mediterrane Landschaften auf – so manches Bild lässt dunstig flimmernde Horizontlinien oder das Licht der tiefstehenden Sonne ahnen, das sich auf einer Wasseroberfläche spiegelt.

Nun widmet das Ernst Barlach Haus dem Künstler mit rund 50 Werken die erste Einzelschau in Norddeutschland seit 1982. Im Zentrum stehen die Arbeiten der 1940er bis 1960er Jahre, die Calderaras gleichermaßen behutsamen und konsequenten Weg in die Abstraktion anschaulich machen. Karsten Müller, der das Haus seit 2007 leitet, stellt uns diesen Höhepunkt subtiler Malkunst vor.

FÜHRUNG Antonio Calderara. Licht-Räume. Malerei aus fünfzig Jahren
LEITUNG Dr. Karsten Müller
TERMIN Samstag, 14. April 2018, 15 bis 16 Uhr
KOSTENBEITRAG 12 Euro inkl. Eintritt, Studierende bis 30 Jahre 9 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 3 Euro
Anmeldung erforderlich

Dr.  Karsten Müller
Dr. Karsten Müller
Karsten Müller, Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Literaturwissenschaften in Hamburg. Volontariat an der Hamburger Kunsthalle, von 2003 bis 2006 Kustos an der Galerie der Stadt Stuttgart (seit 2005: Kunstmuseum Stuttgart), von 2006 bis 2007 Kurator am Bucerius Kunst Forum. Seit Juli 2007 Leiter des Ernst Barlach Hauses – Stiftung Hermann F. Reemtsma.