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R. B. Kitaj: Reflections on Violence (1962)

Treffpunkt: Gegenwart mit Dr. Daniel Koep
26. Januar 2017 (19.30 Uhr - 20.30 Uhr)

Ein Bild wie eine Pinnwand oder eine Schautafel. Hier versammelt R.B. Kitaj verschiedene Materialien und Motive - isolierte Details, auf die man sich zunächst keinen Reim machen kann. Der Titel „Reflections on Violence“ gibt zwar das Thema vor. Doch mehr als die fragmentierten Figuren als Sinnbilder von Versehrtheit und die roten Farbspuren als Andeutung von Aggression zu interpretieren, gibt diese Leseanweisung nicht her. 

Man muss in die Tiefenschichten einsteigen, die Zitate, Zettel und Zeitungsausschnitte lesen, die Piktogramme und Diagramme menschlicher Figuren deuten, die Kontexte rekonstruieren, um zu verstehen, was Kitaj hier alles zusammendenkt: den indianischen Kampf gegen die Kolonisierung, Vergewaltigungen in afrikanischen Missionen und als tagespolitischen Bezug die sich anbahnende Kubakrise. Doch stellt er die Gewalt gerade nicht dar, sondern denkt darüber nach. Alles Expressive wird zurückgenommen, ja, sogar die Malspuren werden mit einer Rasierklinge weggeschabt, um der Reflexion Raum zu geben.

Der seit 1957 in England lebende amerikanische Maler (ᵻ2007) war in seiner Bildsprache von der vergleichenden Kunstgeschichte des Kulturhistorikers Aby Warburg angeregt. Zu einer Zeit, als die abstrakte Kunst dominierte, entwickelte Kitaj eine intellektuell wie visuell anspruchsvolle, „forschende“ Malerei und reagierte so auf das mediale Überangebot an Gewalt mit strengster Sachlichkeit und Distanz.

TREFFPUNKT: GEGENWART: R. B. Kitaj: Reflections on Violence (1962)
LEITUNG Dr. Daniel Koep
TERMIN Donnerstag, 26. Januar 2017, 19.30 bis 20.30 Uhr
ORT Galerie der Gegenwart
TREFFPUNKT Vor dem Shop der Freunde am neuen Eingang
KOSTENBEITRAG kostenfrei, keine Anmeldung erforderlich, Nicht-Mitglieder zahlen den Eintritt in die Kunsthalle

Dr. Daniel Koep
Dr. Daniel Koep
Studium der Kunstgeschichte und Betriebswirtschaftslehre in Berlin, Mitarbeiter der Museumspädagogik der Stiftung Museen Preußischer Kulturbesitz. B.A., M.A. und Ph. D. am Courtauld Institute, London; Promotion über Gerhard Marcks. Fachgebiet: Kunst seit 1800, insbesondere Skulptur des 20. Jahrhunderts. Von 2007 bis 2008 Wissenschaftlicher Assistent an der Hamburger Kunsthalle, seither Assistent des Direktors.