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#2915

Das Haus Michaelsen von Karl Schneider: Ein Pionierwerk des Neuen Bauens

Architekturexkursion mit Dr. Rüdiger Joppien
02. Juni 2019 (16.00 Uhr - 18.00 Uhr)

Hoch über dem Falkensteiner Elbufer steht Hamburgs eindrucksvollstes Landhaus aus den Zwanziger Jahren. Die weiß geschlämmte Villa mit ihren kubischen, collageartig zusammengesetzten Grundformen und gebogenen Panoramascheiben, von Karl Schneider (1892–1945) 1923 für das Ehepaar Michaelsen errichtet, gehört zu den architektonischen Kostbarkeiten der Hansestadt.

Seinem Architekten trug dieses Schlüsselwerk des Neuen Bauens frühen Ruhm ein. Doch 1933 wurde Schneider, inzwischen Professor an der Landeskunstschule, von den Nationalsozialisten aus dem Amt vertrieben; 1938 folgte er seiner jüdischen Lebenspartnerin, der Photographin Ursula Wolff, ins Exil nach Chicago. Das Haus wurde 1955 an den Verleger Axel Springer verkauft. In den darauffolgenden Jahrzehnten verfiel es zusehends. 1980 schenkte Springer es der Stadt, und wenn die Galeristin Elke Dröscher es nicht gepachtet und auf eigene Kosten renoviert hätte, stünde eines der bedeutendsten Architekturdenkmäler Hamburgs heute nicht mehr. So jedoch ist das Haus Michaelsen seit 1986 wieder als herausragendes Zeugnis des Neuen Bauens erlebbar. Es beherbergt außerdem Dröschers Galerie Kunstraum Falkenstein sowie ihr privates Puppenmuseum.

Neben einem ausführlichen architekturgeschichtlichen Rundgang besuchen wir die diesjährige Sonderausstellung, in der die Entstehung und frühe Rezeption des Hauses anhand zeitgenössischer Publikationen und Vintageprints nachgezeichnet wird. Bereits 1925 veröffentlichte Walter Gropius das Haus Michaelsen im Bauhausbuch Nr.1 über „Internationale Architektur“. Es sollte im Laufe der Zeit neben dem Chilehaus zum meistveröffentlichten Hamburger Gebäude des 20. Jahrhunderts werden.

LEITUNG Dr. Rüdiger Joppien
TERMIN Sonntag, 2. Juni 2019, 16 bis 18 Uhr
KOSTENBEITRAG 18 Euro inkl. Eintritt, Studierende bis 30 Jahre 15 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 3 Euro
Anmeldung erforderlich

Dr. Rüdiger Joppien
Dr. Rüdiger Joppien
von 1987 bis 2011 Leiter der Abteilung Jugendstil und Moderne am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Seit 2009 Honorarprofessor am Kunsthistorischen Seminar der Universität Hamburg.