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Pieter Bruegel der Ältere. Aus Anlass der Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien

Seminar mit Dr. Karoline Künkler
30. Juni 2018 (12.00 Uhr - 18.00 Uhr)

So schmal sein Œuvre von rund 40 erhaltenen Gemälden auch sein mag – unbestritten hat Bruegel d. Ä. (1525/30–1569) die Malerei des 16. Jahrhunderts im nordalpinen Raum ihrem Höhepunkt zugeführt: indem er die ländliche Lebenswelt als Darstellungsgegenstand entdeckte und damit die niederländische Genremalerei begründete, als Erster die Jahreszeiten charakterisierte und komische wie tragische Facetten menschlicher Existenz schilderte.

All dies bewerkstelligte der Künstler, dem verharmlosenden Stereotyp vom „Bauernbruegel“ zuwiderlaufend, im Wesentlichen aus der Sicht des zweiflerischen Groteskmeisters. Daher wohnt vielen seiner Werke eine Doppelbödigkeit inne, die sich – sofern man bereit ist, alle Sinne zu schärfen und sich in Bruegels bildgewordene Visionen zu versenken – als Struktur einer wahnsinnigen Welt zu erkennen gibt.

Ob es sich nun um das scheinbar unbeschwerte Getümmel der „Kinderspiele“ (1560) handelt oder um die „Kreuztragung Christi“ (1564), die den Erlöser noch vor dem nahen Opfertod im Sog des Menschenstroms gen Golgatha untergehen lässt – überall durchzieht unterschwellig ein Riss das Bild. Figur und Grund treten auseinander und lassen schließlich das Bildgefüge unter unserem Blick zerfallen. Zum Ende von Bruegels Schaffen, etwa in „Die Jäger im Schnee (Winter)“ von 1565, wird sich dieser Riss schließen. Jedoch – gleich einer Narbe bleibt eine Spur von Spaltung, Sinnverlust, Leere.

Für unser Seminar gerät die geringe Zahl an Bruegel-Gemälden zum Vorteil, weil wir, mit der Leitfrage groteskspezifischer Reflexion im Sinn – Was ist der Mensch? –, eine intensive Auseinandersetzung mit einzelnen Werken wagen können. Wer mag, kann sich mit dem so gewonnenen Wissen und Bewusstsein im Herbst zur Bruegel-Schau aufmachen (siehe Seite 55).

Das Seminar findet im Veranstaltungsraum statt.

LEITUNG Dr. Karoline Künkler
TERMIN Samstag, 30. Juni 2018, 12 bis 18 Uhr
KOSTENBEITRAG 40 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 10 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Karoline Künkler
Dr. Karoline Künkler
Studium der Bildenden Kunst, Kunstgeschichte, Kunstsoziologie, Erziehungswissenschaften und Germanistik an der Kunstakademie sowie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dort Promotion mit der Dissertation „Aus den Dunkelkammern der Moderne. Destruktivität und Geschlecht in der Bildenden Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts“ (erschienen 2012). Dozentin und Autorin für Kunstgeschichte, Lehraufträge an den Universitäten Oldenburg und Düsseldorf.