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Europa und das Osmanische Reich: Zwischen Türkenfurcht und Turkomanie

Seminar mit Dr. Katrin Schmersahl
22. April 2018 (11.00 Uhr - 15.00 Uhr)

Der Aufstieg des Osmanischen Reiches zum Weltreich wurde seit der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 von den Europäern, allen voran den Habsburgern, mit Sorge verfolgt. Zweimal standen die Türken sogar vor Wien. Eine Flut von „Türkendrucken“ trug die Angst über die betroffenen Grenzregionen hinaus, und mit dem beliebten „Türkenkopfstechen“ versuchte man, die anstehende Schlachten siegreich vorwegzunehmen.

Von Anbeginn an gab es zwischen den verfeindeten Imperien freilich einen regen kulturellen Austausch. So ließ sich der Eroberer von Konstantinopel, Sultan Mehmed II., von dem Venezianer Gentile Bellini porträtieren. Seigneur de Busbecq, der Gesandte des habsburgischen Kaisers, brachte die Tulpe nach Europa und beschrieb – ebenso wie Mary Wortley Montagu in ihren berühmten Briefen aus dem Orient – das Leben im Osmanischen Reich. Es ist kaum bekannt, aber schon während der Türkenkriege, d. h. vom 15. bis ins 17. Jahrhundert, hat es osmanische Muslime im christlichen Mitteleuropa gegeben: Kriegsgefangene wurden als „Beutetürken“ nach Europa verschleppt, und nicht nur in den vornehmen Familien Wiens gehörte es bald zum guten Ton, sich einen „Leibtürken“ zu halten.

Doch erst, als es den Europäern Ende des 17. Jahrhunderts gelang, der osmanischen Expansion wirkungsvoll zu begegnen, verwandelte sich ihre Furcht zunehmend in Faszination: Siegreiche Heerführer wie Prinz Eugen füllten ihre „Türkenkammern“ mit kostbaren Beutestücken. Die schwärmerische Begeisterung für die türkische Kultur und den Orient schlug sich vor allem im 18. Jahrhundert in Kunst und Kultur nieder: An den europäischen Höfen kleidete man sich nun modisch „à la turque“, und Mozart brachte sein Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ auf die Bühne.

Das Seminar findet im Veranstaltungsraum statt.

LEITUNG Dr. Katrin Schmersahl
TERMIN Sonntag, 22. April 2018, 11 bis 15 Uhr
KOSTENBEITRAG 26 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 5 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Katrin Schmersahl
Dr. Katrin Schmersahl
Studium der Geschichte und Literaturwissenschaft in Tübingen und Hamburg, promovierte Historikerin. Teilnahme am Forschungsprojekt „Geschlechtergeschichte der Politik“; wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg. Seit Jahren in der Erwachsenenbildung engagiert und begeisterte „Elbläuferin“ und Parkführerin (www.elbblicke.de). Jüngste Veröffentlichungen u. a.: „Hamburger Elbblicke. Die Geschichte der Parks, Landhäuser und Familien entlang der Elbchaussee“ sowie gemeinsam mit Jürgen Weber „Spaziergänge am Elbufer und durch die Parks“ (beide 2012).