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KP Brehmer. Korrektur der Nationalfarben

Kuratorenseminar mit Josephine Karg und Dr. Petra Roettig
12. April 2019 (15.00 Uhr - 17.30 Uhr)
Wir bieten dieses Seminar alternativ auch am 4.4.2019 an.

Das politische Establishment der Nachkriegs-Bundesrepublik war ihm stets suspekt: Der in Berlin geborene KP Brehmer (1938–1997) gehörte zu einer Generation von Künstlern, die sich seit den 1960er-Jahren kritisch mit der gesellschaftlichen und ökonomischen Wirklichkeit auseinandersetzten. Früh griff er die Mittel der amerikanischen Pop Art auf und entwickelte im Austausch mit Künstlerkollegen wie Gerhard Richter, Sigmar Polke und Konrad Lueg einen ironisch-kritischen „kapitalistischen Realismus“.

Zugleich nahm KP Brehmer in diesem Umfeld eine Sonderrolle ein. Von Anfang an interessierte ihn die Wirkungsmacht medialer Bilder in ihrer massenhaften Zirkulation. Bilder bedeuteten für ihn Konstruktion von Wirklichkeit – und so eignete er sich das Material der Werbung und politischen Propaganda, des Fernsehens und der illustrierten Presse an, um es in veränderter Form zu präsentieren, durch leichte Bedeutungsverschiebungen neu zu codieren und so die Wirkmechanismen kenntlich zu machen. Auf diese Weise schuf er mit seinen Grafiken und Gemälden, Filmen und Installationen ein einzigartiges Panorama der Bilderproduktion im Kapitalismus – analytisch, kritisch, subversiv und humorvoll. 

Kaum eines seiner Themen ist überholt, und im Zeitalter von Bildmanipulationen und „fake news“ sind seine künstlerischen Verfahren aktueller denn je. Im vergangenen Jahr wäre KP Brehmer 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass lädt die Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle – erarbeitet in Kooperation mit dem Neuen Museum Nürnberg,
dem Gemeentemuseum Den Haag und dem Kunstzentrum Arter in Istanbul – zur Wiederentdeckung seines Werkes ein und positioniert es dort, wo es seinem Rang nach hingehört: ins Zentrum der Debatte über das politische Vermögen der Kunst.

Die Veranstaltung findet vor den Originalen in der Ausstellung statt.

LEITUNG Dr. Petra Roettig, Josephine Karg, M. A.
TERMINE Freitag, 12. April 2019, 15 bis 17.30 Uhr
KOSTENBEITRAG 22 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 3 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Petra Roettig
Dr. Petra Roettig
Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Volkskunde in Freiburg, Hamburg und London. Seit 1997 an der Hamburger Kunsthalle; seit 2007 Leitung der Galerie der Gegenwart für Graphik und Photographie.
 Josephine Karg
Josephine Karg
Studium der Kunstgeschichte und Slavistik in Dresden, St. Petersburg und Moskau bis 2011, Doktorarbeit zu Malerei und Kunsthandwerk im Zarenreich und Galizien zwischen 1880 und 1910 am Beispiel von Michail Vrubel‘ und Stanisław Wyspiański, gefördert durch ein Stipendium des International Graduate Centre for the Study of Culture der Justus-Liebig-Universität Gießen (2012–2016). Berufliche Stationen u. a.: Freie Mitarbeit im Gerhard Richter Archiv der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (2009–2011). Seit August 2017 Wissenschaftliches Volontariat an der Hamburger Kunsthalle.