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Von der Andachtstafel zum Meditationsbild: Kunst und Religion vom Mittelalter bis zur Moderne

Seminar mit Dr. Gabriele Himmelmann
06. März 2019 (13.00 Uhr - 17.00 Uhr)
ausgebucht
Wir bieten dieses Seminar alternativ auch am 7.2.2019 an.

Die malerische Schilderung biblischer und apokrypher Texte bildete über Jahrhunderte ein zentrales Motiv der Kunst. Sakrale Bildwerke zu Ehren Gottes erhoben den Anspruch, die Essenz des Glaubens zu vermitteln. Mit der Reformation jedoch geriet die christliche Kunst in eine Krise. Der Bilderkult wurde mehr und mehr problematisch; im Gefolge der Aufklärung wurden traditionelle religiöse Inhalte endgültig fragwürdig. Doch selbst wenn die überkommene Autorität des Andachtsbildes allmählich in Auflösung geriet, setzten sich Künstler doch weiterhin mit religiösen Motiven auseinander.

Den Beginn unseres Rundgangs markiert Meister Bertrams spätgotischer Wandelaltar, entstanden für die Kirche St. Petri. Das monumentale Werk vermittelt die ungebrochene Frömmigkeit des Mittelalters. Mit dem Beginn der Frühen Neuzeit entstehen dann einerseits Bilder, die die Krise der Religion reflektieren; andererseits werden im Dienst der Gegenreformation christliche Gehalte abermals bestätigt. Nach Aufklärung und Französischer Revolution waren es die Nazarener, die unter Berufung auf Raffael die alte Inbrunst wiederherstellen wollten, während gleichzeitig Romantiker wie Runge und Friedrich die Sakralisierung der Landschaft proklamierten. Wilhelm Leibls „Drei Frauen in der Kirche“ markiert die Bewahrung religiöser Intensität im ländlichen Raum, während Edvard Munchs „Madonna“ Verführung und marienhafte Unschuld verbindet. In der Klassischen Moderne gerieten Christusdarstellungen Max Beckmann zu einer Chiffre für universelle Leiderfahrung; Emil Nolde wiederum übersetzte die alten Motive mit den malerischen Mittel des Expressionismus. In Wols‘ offener Bildstruktur schließlich sind im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg christliche Leidensmotive ahnungsvoll aufgerufen. 

Das Seminar findet vor den Originalen in der Sammlung statt.

LEITUNG Dr. Gabriele Himmelmann
TERMIN Mittwoch, 6. März 2019, 13 bis 17 Uhr
KOSTENBEITRAG 26 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 5 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Gabriele Himmelmann
Dr. Gabriele Himmelmann
Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften; seit Jahren freiberuflich in der Erwachsenenbildung tätig, u. a. regelmäßig für die Freunde der Kunsthalle. Außerdem Lehrbeauftragte für Kunstgeschichte am Institute of Design, der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Hamburg sowie an der TU Hamburg-Harburg.