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Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus. Aus Anlass der Ausstellung im Hamburger Bahnhof

Vortrag von Dr. Christian Ring
02. Juni 2019 (11.00 Uhr - 12.30 Uhr)
ausgebucht

Emil Nolde ist wohl der berühmteste „entartete Künstler“: Von niemandem sonst wurden so viele Arbeiten beschlagnahmt, keine anderen Werke hingen derart prominent auf den ersten Stationen der Schandausstellung „Entartete Kunst“ von 1937/38. Doch wie passen Noldes Verfemung und sein Berufsverbot zu unserem Wissen, dass er NS-Parteimitglied war, für Adolf Hitler schwärmte und bis zum Kriegsende den Glauben an das nationalsozialistische Regime nicht verlor?

Was Noldes politische Einstellung mit seiner Kunst zu tun hat und wie sich die historischen Umstände des Nationalsozialismus auf sein Schaffen ausgewirkt haben, ist bisher noch nie umfassend untersucht worden. Die Berliner Ausstellung „Emil Nolde – Eine deutsche Legende“ leistet hier Pionierarbeit. Sie beruht auf den Ergebnissen eines langjährigen Forschungsprojekts, das so viel Neues zu Tage förderte, dass die hergebrachte Nolde-Erzählung revidiert werden muss. So lassen sich etwa die berühmten „Ungemalten Bilder” – kleinformatige Aquarelle, die Nolde angeblich während der Zeit seines Berufsverbots heimlich in Seebüll gemalt hat – nun als Teil einer langjährigen Praxis der Selbststilisierung erkennen.

Christian Ring, seit 2013 Direktor der Nolde Stiftung Seebüll, stellt Forschungsprojekt und Ausstellung vor und untersucht in seinem Vortrag das vielschichtige Gewebe von Kunst, Selbstinszenierung, Verfemung und Legendenbildung: Wie wirkte sich das „Dritte Reich“ auf Noldes künstlerisches Werk aus? Inwiefern korrespondieren etwa seine Darstellungen mythischer Opferszenen mit seinen Sympathien für das Regime? Welche Auswirkungen hatten die Diffamierung und das Berufsverbot auf Noldes künstlerische Praxis, aber auch auf seine politische Einstellung? Und wie entstanden die Nolde-Mythen der Nachkriegszeit?

VORTRAG Dr. Christian Ring
MODERATION Florian Britsch, M. A.
TERMIN Sonntag, 2. Juni 2019, 11 bis 12.30 Uhr
KOSTENBEITRAG 12 Euro, Studierende bis 30 Jahre 9 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 3 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Christian Ring
Dr. Christian Ring
geb. 1976. Nach mehrjähriger Tätigkeit in einer Bank Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Kassel und Bonn. Von 2006 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hamburger Kunsthalle, 2009 Promotion über „Gustav Pauli und die Hamburger Kunsthalle“. 2008 bis 2010 wissenschaftlicher Volontär des Museum Giersch, Frankfurt a. M., im Anschluss wissenschaftlicher Mitarbeiter. Ab 2011 stellvertretender Direktor, seit 2013 Direktor der Nolde Stiftung Seebüll.