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Das Material der Kunst. Teil II: Glas – Transparenz und Kontrolle

Seminar mit Florian Britsch und Dr. Alice Gudera
29. Mai 2019 (11.00 Uhr - 15.00 Uhr)
ausgebucht
Wir bieten dieses Seminar auch noch an weiteren Terminen an.

Stein, Bronze oder Holz: Jahrhundertelang war für die Realisierung von Kunstwerken nur ein begrenztes Spektrum von Materialien zuständig. Dem Ewigkeitsanspruch der Kunst entsprach die Dauerhaftigkeit des Werkstoffs. Erst mit der Moderne treten zahllose neue, auch instabile oder amorphe Materialien hinzu; gleichzeitig wandeln sich Einsatz und Bedeutung traditioneller Stoffe. Vom Gips über die Industrie- und Alltagsmaterialien, Erde und Abfall bis hin zum menschlichen Körper: Nahezu alles konnte schließlich zum Material der Kunst werden.

Glas ist einer der ältesten Werkstoffe der Welt; seine kunsthandwerkliche Tradition reicht vom Vorderen Orient und das Alte Ägypten über die Emailkunst des Mittalters, die venezianische Glaskunst der Renaissance, die Entwürfe L. C. Tiffanys und den Jugendstil bis zur Studioglas-Bewegung der 1960er-Jahre. Dabei war es seit jeher die Transparenz des Materials, von der die besondere Faszination ausging. Schon Plinius verglich es mit dem Bergkristall, und sein Glanz, seine Verbindung zum Licht und seine scheinbare Immaterialität sorgten nicht nur in der mittelalterlichen Kathedralarchitektur für eine geradezu metaphysische Aufladung.

Mit Joseph Paxtons spektakulärem Kristallpalast auf der Londoner Weltausstellung von 1852 begann der Siegeszug der modernen Glasarchitektur, in der die einstmals sakralen Konnotationen, in den Glauben an grenzenlose Offenheit und Demokratie verwandelt, in säkularer Gestalt weiterleben. Auf der anderen Seite jedoch ist das Material in der Metapher vom „Gläsernen Menschen“ inzwischen auch zum Synonym allumfassender Kontrolle geworden.

Das Seminar findet im Veranstaltungsraum sowie in der Sammlung statt.

Lektüretipp: Lexikon des künstlerischen Materials. Werkstoffe der modernen Kunst von Abfall bis Zinn, hg. von Monika Wagner u. a., Verlag C.H. Beck 2010, 15,95 Euro

LEITUNG Dr. Alice Gudera, Florian Britsch, M. A.
TERMIN Mittwoch, 29. Mai 2019, 11 bis 15 Uhr
KOSTENBEITRAG 29 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 5 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr.  Alice  Gudera
Dr. Alice Gudera
Studium der Kunstgeschichte und Anglistik in Bochum und Berlin, Promotion über ein Hauptwerk der mittelalterlichen Goldschmiedekunst. Mitarbeit an Ausstellungen, Publikationen über mittelalterliche Kunst sowie Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Freie Mitarbeiterin der Kunsthalle Bremen und der Freunde der Kunsthalle (www.alicegudera.de).
 Florian Britsch, M. A.
Florian Britsch, M. A.
Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Geschichte in Hamburg. Fachgebiete: Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Als Mitarbeiter der Freunde der Kunsthalle zuständig für das Veranstaltungsprogramm. Veröffentlichungen zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts; Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater / Theaterakademie Hamburg.