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Neue Formen des Erzählens. Von der abstrakten Malerei der Nachkriegszeit zu den Materialgeschichten der 1960er-Jahre

Seminar mit Dr. Gabriele Himmelmann
26. November 2019 (11.00 Uhr - 14.30 Uhr)
ausgebucht
Wir bieten dieses Seminar alternativ auch am 3.12.2019 an.

Faschismus, Krieg und Holocaust hatten die moralischen und ethischen Werte aufs Tiefste erschüttert; humanistische Konzepte wurden als gescheitert wahrgenommen. Auf diese historische Situation zu reagieren, sah sich auch die Kunst aufgefordert. Sie proklamierte eine erweiterte Form der ästhetischen Erfahrung: Die gegenstandslose Malerei verstand sich als Kunst des Neubeginns und wurde als Ausdruck eines modernen Lebensgefühls gefeiert. Die konventionelle Bilderzählung galt als überwunden – doch auch die Abstraktion beanspruchte Berichtintensität. Sie wollte elementare menschliche Erfahrungen außerhalb von ästhetischen Konventionen erlebbar machen. Mit der Dynamik des Farbauftrags, aber auch durch die Verwendung von bislang in der Kunst unüblichen Stoffen wie Sand, Asche, Teer und Kohlenstaub sollten diese zugänglich werden.

Von der Malerei des Informel und des Art Brut geht es in die Galerie der Gegenwart zur Kunst der 1960er-Jahre. Die bereits vorher virulente Verwendung von kunstfremden Stoffen im Bild verselbständigte sich nun zusehends. Das Gemälde erschien endgültig als Relikt einer überkommenen bürgerlichen Welt, es galt das Schlagwort vom „Ausstieg aus dem Bild“. Die Kunst beanspruchte nun raumgreifende Präsenz – und Künstler wie Jannis Kounellis, Mario Merz, Richard Serra, Joseph Beuys und andere betonten auf je eigene Weise die erzählerischen Qualitäten der kunstfernen, häufig alltäglichen Materialien. Kulturelle Zuweisungen an die Werkstoffe, Transformation von Energie, Umwandlungs- und Veränderungsprozesse, Formen von Zeitlichkeit, Bewegung und Aktion hatten eine veränderte Form der Erzählung zur Folge.

Das Seminar findet vor den Originalen in der Sammlung statt.

LEITUNG Dr. Gabriele Himmelmann
TERMIN Dienstag, 26. November 2019, 11 bis 14.30 Uhr
KOSTENBEITRAG 26 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 5 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Gabriele Himmelmann
Dr. Gabriele Himmelmann
Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften; seit Jahren freiberuflich in der Erwachsenenbildung tätig, u. a. regelmäßig für die Freunde der Kunsthalle. Außerdem Lehrbeauftragte für Kunstgeschichte am Institute of Design, der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Hamburg sowie an der TU Hamburg-Harburg.