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Die Geschichte Venedigs. Teil I: Venedig als früher „global player“ zwischen Pracht und Pest, Glanz und Ghetto

Seminar mit Dr. Katrin Schmersahl
01. März 2020 (11.00 Uhr - 15.00 Uhr)
ausgebucht

„Sämtliche Einwohner sind Kaufleute“, bemerkte 1346 ein überraschter Besucher aus Florenz: Die Stadt Venedig stand ebenso wie ihre Bewohner am Ausgang des Mittelalters für eine Entwicklung, die Außenstehende in ihrer Modernität gleichermaßen faszinierte wie beunruhigte. Die Handelsschiffe folgten festgelegten Routen, unter anderem nach Zypern und Beirut, nach Alexandria, Konstantinopel und Flandern – Venedig galt als Marktplatz der Welt.

Eine ehemals randständige byzantinische Provinzstadt war zur eigenständigen Handelsmacht aufgestiegen: Jahrhundertelang behauptete Venedig seinen Rang als wichtigster Umschlagplatz Europas, Knotenpunkt zwischen Orient und Okzident, Militärmacht und Kunstmetropole. Eine zunehmend reiche Adelsschicht baute sich beeindruckende Palazzi am Canal Grande, teilweise versetzt mit islamischen Schmuckelementen, die die Kaufleute auf ihren Reisen nach Alexandria und Beirut kennengelernt hatten. Sogar der Dom war von orientalischer Baukunst inspiriert.

Ihren Aufstieg zur Seemacht verdankt die Dogen-Republik sowohl dem Handel als auch ihrem Flotten-Arsenal. Mit der Eroberung und Plünderung Konstantinopels im Zuge des Vierten Kreuzzuges 1204 wurde Venedig endgültig zur führenden Kolonial- und Handelsmacht im Mittelmeer. Bis heute schmücken Beutestücke aus Konstantinopel wie etwa die berühmte Quadriga von San Marco die Machtzentren Venedigs. Im 14. Jahrhundert feierte der italienische Dichter Petrarca Venedig als „einzig sicheren Unterschlupf“, als „einzigen Port der Freiheit“. Doch obwohl Venedig Fremden und Vertriebenen Zuflucht gewährte, wurde ausgerechnet hier das Ghetto erfunden. Und mit den Waren aus fernen Ländern kamen auch Krankheiten wie die Pest.

Das Seminar findet im Veranstaltungsraum statt.

LEITUNG Dr. Katrin Schmersahl
TERMIN Sonntag, 1. März 2020, 11 bis 15 Uhr
KOSTENBEITRAG 26 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 5 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Katrin Schmersahl
Dr. Katrin Schmersahl
Studium der Geschichte und Literaturwissenschaft in Tübingen und Hamburg, promovierte Historikerin. Teilnahme am Forschungsprojekt „Geschlechtergeschichte der Politik“; wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg. Seit Jahren in der Erwachsenenbildung engagiert und begeisterte „Elbläuferin“ und Parkführerin (www.elbblicke.de). Jüngste Veröffentlichungen u. a.: „Hamburger Elbblicke. Die Geschichte der Parks, Landhäuser und Familien entlang der Elbchaussee“ sowie gemeinsam mit Jürgen Weber „Spaziergänge am Elbufer und durch die Parks“ (beide 2012).