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Manet und die Photographie

Seminar mit Florian Britsch und Dr. Alice Gudera
29. Juli 2016 (10.30 Uhr - 13.00 Uhr)
Wir bieten dieses Seminar alternativ auch nachmittags an.

Mit der Erfindung der Photographie, deren Vorform 1839 in Paris unter dem Begriff „Daguerreotypie“ patentiert wurde, glaubte man den Zeichenstift aus der Hand legen zu können. Daguerre definierte seine Entwicklung als Verfahren, das der Natur dabei helfe, „sich selbst abzubilden“. Und der Historienmaler Paul Delaroche, der bei der öffentlichen Präsentation der neuen Technik zugegen war, soll pathetisch ausgerufen haben: „Vom heutigen Tag an ist die Malerei tot!“

Tatsächlich bedeutete die Photographie mitnichten das Ende der Malerei. Im Gegenteil: Die Maler profitierten in mehrfacher Hinsicht von dem neuen Medium. Bereits die Generation der Impressionisten wuchs wie selbstverständlich mit der Photographie auf; viele der Künstler verfügten im Laufe ihres Lebens selbst über eine Kamera. Als Ergänzung zur etablierten Praxis des Modellstehens hatte sich die Photographie in den 1860er Jahren fest etabliert; etliche Maler, unter ihnen Manet, arbeiteten nach photographischen Vorlagen – auch wenn dies keiner offen zugegeben hätte.

Vor allem aber konnte sich die Malerei, vom Zwang zur Realitätsabbildung befreit, nun auf die ihr eigenen Mittel der Farbe, Fläche und Form besinnen. Auch dies tat sie freilich in engem Austausch mit dem neuen Medium. Technische „Mängel“ des photographischen Bildes wie mangelnde Schärfe, Verwischungen durch lange Belichtungszeiten, zufällige Bildausschnitte oder die Kulissenhaftigkeit von Studioaufnahmen wurden von den Künstlern als Bausteine einer modernen Malerei entdeckt.

Am Beispiel der Kunst Édouard Manets wollen wir in unserem Seminar die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Malerei und Photographie im 19. Jahrhundert nachzeichnen.

Das Seminar findet in der Ausstellung sowie im Veranstaltungsraum statt.

LEITUNG Dr. Alice Gudera, Florian Britsch, M. A.
TERMIN Freitag, 29. Juli 2016, 10.30 bis 13 Uhr
KOSTENBEITRAG 22 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 3 Euro (ggf. zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr.  Alice  Gudera
Dr. Alice Gudera
Studium der Kunstgeschichte und Anglistik in Bochum und Berlin, Promotion über ein Hauptwerk der mittelalterlichen Goldschmiedekunst. Mitarbeit an Ausstellungen, Publikationen über mittelalterliche Kunst sowie Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Freie Mitarbeiterin der Kunsthalle Bremen und der Freunde der Kunsthalle.
 Florian Britsch, M. A.
Florian Britsch, M. A.
Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Geschichte in Hamburg. Fachgebiete: Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Als Mitarbeiter der Freunde der Kunsthalle zuständig für das Veranstaltungsprogramm. Veröffentlichungen zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts; Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater / Theaterakademie Hamburg.