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Werte als Werke? – Was heutige Moraldebatten mit Kunst gemeinsam haben

Vortrag mit Prof. Dr. Wolfgang Ullrich
09. Februar 2017 (19.00 Uhr - 20.30 Uhr)

Kaum etwas wird in der heutigen Gesellschaft öfter und lieber beschworen als Werte. Dabei sind sie eine relativ junge Sache, noch im 18. Jahrhundert hätte niemand verstanden, was damit gemeint sein könnte.

Die wichtigen Wertphilosophien (von Friedrich Nietzsche, Max Scheler, Nicolai Hartmann) kommen alle erst später – und fallen in eine Zeit, in der nicht nur das Individuum, seine gestalterische Kraft und sein Wille zur Selbstentfaltung einen Aufstieg erleben, sondern in der sich zugleich das Paradigma des Expressionismus durchsetzt. Interessanterweise ist das Verständnis von Werten bis heute stark davon geprägt. Sie gelten als etwas, das (im Unterschied zu einem Ideal oder einer Tugend) zum Ausdruck gebracht, realisiert, verwirklicht werden muss. Ein Wertebekenntnis ist damit aber zweierlei: der Beleg für eine spezifische moralische Sensibilität und zugleich das Dokument einer im weitesten Sinne gestalterischen Leistung. Kein Wunder also, das im Zeitalter der Kreativitätsimperative viele öffentliche Diskurse zu Diskussionen über Werte werden.

Der Vortrag verfolgt die Idee der Werte als etwas mit Artefaktcharakter, zeigt, was das Konzept der Werte mit Alois Riegls berühmten Begriff des Kunstwollens zu tun hat – und schlägt den Bogen bis in die Gegenwart, in der u. a. politische Kunstaktivisten mit ihren Projekten neue Spielarten von Werten als Werken entwickeln.

VORTRAG Prof. Dr. Wolfgang Ullrich
MODERATION Veronika Schöne, M. A.
TERMIN Donnerstag, 9. Februar 2017, 19 bis 20.30 Uhr
ORT Veranstaltungsraum Galerie der Gegenwart
KOSTENBEITRAG 12 Euro, Studierende bis 30 Jahre 9 Euro (für Nichtmitglieder zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Prof. Dr.  Wolfgang Ullrich
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich
Wolfgang Ullrich, geb. 1967, war von 2006 bis 2015 Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und lebt seither als freier Autor und Wissenschaftler in Leipzig. Er arbeitet über die Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, bildsoziologische Fragen und Konsumtheorie. Jüngste Buchpublikationen: Alles nur Konsum. Kritik der warenästhetischen Erziehung, Berlin 2013; Des Geistes Gegenwart. Eine Wissenschaftspoetik, Berlin 2014; Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust, Berlin 2016; Der kreative Mensch. Streit um eine Idee, Salzburg 2016.