Toggle Menu

Filip Markiewicz: Paradiso Lussemburgo

Künstlergespräch mit Filip Markiewicz
30. November 2015 (19.00 Uhr - 20.30 Uhr)
ausgebucht

„The world is a stage, but the play is badly cast“: Oscar Wildes lakonische Bemerkung ist gleichzeitig Anklage und Entlastung. Denn wenn man die Welt als eine große Bühne betrachtet, dann stellt die Wirklichkeit höchstens noch die Schauspieler. Und wenn die schlecht gecastet sind, dann taugt die Wirklichkeit noch nicht einmal mehr als Vorlage für die Fiktion von Realität.

Mit Wildes prägnantem Satz eröffnet Filip Markiewicz seine fulminante Installation „Paradiso Lussemburgo“ im luxemburgischen Pavillon auf der diesjährigen Biennale von Venedig. In sechs Räumen entfaltet er ein Schauspiel in sechs Akten, das zwischen paradiesischer Vision und zynischer Abrechnung changiert. Politik und Popkultur, Unterhaltungsindustrie und Wirtschaftsrealität treffen hier auf eine Weise aufeinander, die keine Wünsche offen lässt und sie dennoch nicht bedient. Markiewicz versteht die in atemberaubenden Stakkato aneinandergereihten Träume, Topoi und Klischees Luxemburgs als Modell für ein sich in Widersprüche verwickelndes Europa: „Dieses zwiespältige Eden prägt und verkörpert symbolisch die Vorstellung davon, was Europa heute ist – ein Europa, das nach Nietzscheanischer Art funktioniert – ‚jenseits von Gut und Böse‘.“

„Jenseits von Gut und Böse“ endet auch Markiewiczs illusionslose Installation in einem Lachen, das einem gleichwohl im Halse stecken bleibt. Der fulminante Zeichner, Musiker und Performancekünstler urteilt nicht, legt aber doch zielsicher den Finger in die Wunde. Seine Arbeit zählt zum Interessantesten, was diese sich ganz aufs Politische verlegende Biennale hervorgebracht hat. Und wir haben das Glück, dass der Künstler in Hamburg wohnt und uns zu einem Gespräch über den Pavillon und andere Arbeiten einlädt, das im Ausstellungsraum „level one“ auf der Fleetinsel stattfinden wird.

MODERATION Veronika Schöne, M. A.
TERMIN Montag, 30. November 2015, 19 bis 20.30 Uhr
KOSTENBEITRAG 15 Euro inkl. Snacks und Drinks, Studierende bis 30 Jahre 12 Euro, Zuzahlung für Nicht-Mitglieder 3 Euro
Anmeldung erforderlich

 Filip  Markiewicz
Filip Markiewicz
geb. 1980 in Luxemburg, lebt in Hamburg und Luxemburg. 2005 Magister in bildender Kunst an der Universität Straßburg. 2008 Performance „Pale Exploding Imitation“ in der Philharmonie Luxembourg; 2010 Gitarren-Stimm-Video-Performance bei der Weltausstellung in Shanghai. Markiewicz’ Zeichnung „Mao Dollar“, die einen Geldschein darstellt, wird 2011 bei der Ausstellung „I’ve dreamt about. Collection MUDAM“ vorgestellt. 2012 Einzelausstellung „Silentio Delicti“, Abtei Neumünster, Luxemburg. 2015 vertritt er Luxemburg auf der Biennale in Venedig.