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Zeichnungsräume II. Positionen zeitgenössischer Graphik

Kuratorenführung mit Dr. Petra Roettig
18. Mai 2017 (18.30 Uhr - 20.00 Uhr)
abgesagt

Zeichnen ist der Beginn jedes schöpferischen Prozesses. Die Skizze ist Idee, Entwurf, Aneignung, Rückversicherung. Das verleiht der Zeichnung einen so zentralen Status in der Kunst – und gleichzeitig hat sie es auch deshalb schwer, als eigene Gattung wahrgenommen zu werden, gilt sie doch immer noch als vorläufig, als erster Schritt, als Vorbereitung auf dem Weg zum endgültigen Werk.

Nahezu unbemerkt hat sich die Zeichnung dennoch als „umfassendste und offenste Gattung der Gegenwart“ etabliert, wie das Kunstforum feststellte. Sie ist nicht nur ein Feld der Freiheit, in dem die Künstler oft ganz unerwartet experimentieren. Sie hat auch den Übergang in die Moderne und sogar den entscheidenden Sprung ins mediale Zeitalter vollzogen. Die Zeichnung ist nicht nur Studie, sondern Konstruktion, Diagramm, Reportage und Partitur für Zeit, Erinnerung und Raum.

Eine besonders umfangreiche und hochkarätige Sammlung zeitgenössischer Graphik hat die Hamburger Kunsthalle seit den 1950er Jahren zusammengetragen, die sie anlässlich der Neueröffnung in einer zweiteiligen Ausstellung präsentiert. Das Spektrum der „Zeichnungsräume“ reicht von der kleinen Bleistiftstudie bis zur großen Rauminstallation, von der händisch gefertigten bis zur digital programmierten Zeichnung. Mit über 200 Werken von insgesamt 80 Künstlern in beiden Ausstellungen ist damit erstmals ein umfassender Überblick über die außergewöhnlichen Bestände des Kupferstichkabinetts zu sehen.

Während der erste Teil die Entwicklung ab den 1950er Jahren bis hin zu aktuellen Positionen dargestellt hat, stehen in den „Zeichnungsräumen II Wandzeichnungen, Rauminstallationen und virtuelle Animationen im Vordergrund. Dieser „Aufbruch in den Raum“ (Catherine de Zegher) umfasst auch sehr spezielle Werkzeuge und Materialien. Fernando de Brito nutzt für seine Zeichnungen die Schlagschnur, bei Franz Erhard Walther gestalten Kaffee und Asphaltlack die Zeichnungen mit und bei Sol LeWitt ist es der Riss, der sie generiert.

Auch das Papier verliert seine Alleinstellung als Bildträger. Die Zeichnung wandert auf die Wand, in den Raum und in die virtuelle Welt. In der Animation und im Video wird sie verlebendigt (Robbie Cornelissen, Lines Fiction) und beginnt mit Hilfe von Augmented Reality Apps zu fließen (Carolin Jörg / Michael Fragstein). Und was passiert, wenn die Bleistift- oder Kreidelinie sich so verdichtet, dass sie zur Fläche wird wie bei Frank Gerritz oder Ulrich Rückriem – ist sie dann Malerei?

Petra Roettig, Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Galerie der Gegenwart für Graphik und Photographie, wird uns durch die Ausstellung führen.

KURATORENFÜHRUNG Zeichnungsräume II. Positionen zeitgenössischer Graphik
LEITUNG Dr. Petra Roettig
ORT Galerie der Gegenwart
TERMIN Donnerstag, 18. Mai 2017, 18.30 bis 20 Uhr
KOSTENBEITRAG 12 Euro, Studierende bis 30 Jahre 9 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 3 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Petra Roettig
Dr. Petra Roettig
Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Volkskunde in Freiburg, Hamburg und London. Seit 1997 an der Hamburger Kunsthalle; seit 2007 Leitung der Galerie der Gegenwart für Graphik und Photographie.