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Thomas Ruff: Nacht 2 II und Nacht 8 III (1992)

Treffpunkt: Gegenwart mit Ulrich Rüter, M. A.
28. Juni 2018 (19.30 Uhr - 20.30 Uhr)

Grün leuchtet der Hinterhof. Das muss also weit weg sein, denkt man unwillkürlich. Grün, das ist seit den Nachrichtenbildern aus dem Golfkrieg von 1990/91 unweigerlich mit Krieg verbunden. Die Bilder waren durch Nachtsichtgeräte hindurch aufgenommen, die alles in ein schummriges grünliches Licht wie aus einer anderen Welt tauchten. An den Rändern fielen die Fotos in Dunkle ab – man hatte das Gefühl, als blickte man durch ein Schlüsselloch, als wohnte man etwas Verbotenem bei.


Es hatte auch etwas verboten Voyeuristisches, diese Nachrichtenbilder, die zum ersten Mal live die nächtliche Bombardierung Bagdads zeigten. Der deutsche Fotokünstler Thomas Ruff reagierte darauf mit seiner Serie der „Nächte (1992–96). Indem er den Blick durch ein Nachtsichtgerät auf Düsseldorfer Hinterhöfe und Straßen richtete, transferierte er das vermeintliche Kriegsgeschehen in die eigene Umgebung. Ruff entlarvt mit diesen Fotografien nicht nur unsere durch das Fernsehen beeinflussten Sehgewohnheiten, sondern führt auch die eigentümliche Ästhetik solcher Bilder vor Augen.


Ruff, Jahrgang 1958, begann schon während seines Studiums der Fotografie in Düsseldorf seine Praxis konzeptueller Fotografie in Serien. Bis 2006 leitete er an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf die ehemalige „Becher-Klasse“, die als „Düsseldorfer Fotoschule“ eine wichtige Position in der jüngeren Fotografiegeschichte markiert. Nach verschiedenen Fotoreihen zu Porträts und Gebäudeansichten folgten ab 1989 Aufnahmen des Sternenhimmels, in den Folgejahren weitere Nachtaufnahmen mit einem Nachtsichtgerät sowie die Serie „Stellar Landscape“s mit Bearbeitungen von NASA-Bildern des Planeten Mars.

TREFFPUNKT GEGENWART: Thomas Ruff: Nacht 2 II und Nacht 8 III (1992)
LEITUNG Ulrich Rüter
TERMIN Donnerstag, 28. Juni 2018, 19.30 bis 20.30 Uhr
ORT Galerie der Gegenwart
TREFFPUNKT Galerie der Gegenwart, Treffpunkt: vor dem Shop der Freunde am Eingang
KOSTENBEITRAG kostenfrei, keine Anmeldung erforderlich, Nichtmitglieder zahlen den Eintritt in die Kunsthalle

 Ulrich Rüter, M. A.
Ulrich Rüter, M. A.
Fotohistoriker; Studium der Kunstgeschichte in Hamburg und Wien. Er war für zahlreiche fotografische Institutionen und Museen tätig, u. a. die Stiftung F.C. Gundlach, Hamburg, und die Kunstbibliothek Berlin. Als freier Kurator, Autor und Dozent in Hamburg arbeitet er für verschiedene Museen und fotografische Projekte. Er ist seit vielen Jahren Vorstandsmitglied des Freundeskreises des Hauses der Photographie der Deichtorhallen Hamburg und ist derzeit auch als kuratorischer Berater der Triennale der Photographie Hamburg tätig.