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#3036

Goya, Fragonard, Tiepolo und der Ursprung der Moderne um 1800

Seminar mit Dr. Karoline Künkler
09. Februar 2020 (13.00 Uhr - 17.00 Uhr)
ausgebucht
Wir bieten dieses Seminar zusätzlich auch am 27.3.2020 an.

Es war Goya, dem Werner Hofmann 1980 den Schluss- und Höhepunkt seiner Ausstellungsserie „Kunst um 1800“ in der Hamburger Kunsthalle widmete. Wie niemand sonst bündelte der Spanier künstlerische Impulse seiner Zeit, um daraus ab Ende des 18. Jahrhunderts einen kühnen Vorgriff auf die Moderne zu tun. Nun lässt die Hamburger Kunsthalle ihr Jubiläumsjahr 2019 abermals mit Goya ausklingen – im Schlussakkord mit Tiepolo und Fragonard. 

In dem von der Ausstellung angesetzten Zeitraum 1740–1770/80 endet mit Tiepolos Tod die große Ära der Venezianer, verabschiedet sich mit Fragonard die französische Rokoko-Malerei, während das Frühwerk Goyas weit über die Epochenschwelle von 1800 hinausweist. In seinen Tapisserie-Kartons ahnt man noch das duftig-helle Kolorit und die galante Motivwelt Fragonards, wenngleich Goya den deftigen Tenor flämischer Genrebilder aus der Sammlung Karls III. einfließen lässt. An Tiepolo, seinem Vorläufer am Madrider Hof, interessierten ihn furiose Deckengemälde und Graphiken über die Commedia dell’Arte.

Alle drei pflegten eine neuartige lockere Pinselführung, aber ein jeder leitete sie anders her und erreichte damit eine je eigene Auffassung von malerischer Freiheit. Goya wählte den Weg der Dekomposition, wie ein Blick auf seine Vorbilder lehrt. Hatte Velázquez mit formauflösendem Duktus und lichthaltiger Palette groteske Sujets ins Bild gesetzt, ließ Goya eine schwarz durchlöcherte Figurenwelt an den Wänden von San Antonio de la Florida (1798) entstehen. Rembrandts dramatisches Hell-Dunkel ließ er in Fleckenweiß und numinose Schwärze zerfallen, die seine düsteren „Pinturas negras“ (1819-23) beherrschen. Aus komplexen Werken wie diesen sollten sich maßgebliche Elemente beider Formwelten der Moderne, Abstraktion und Realistik, speisen.

Das Seminar findet im Veranstaltungsraum statt.

LEITUNG Dr. Karoline Künkler
TERMIN Sonntag, 9. Februar 2020, 13 bis 17 Uhr
KOSTENBEITRAG 26 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 5 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Karoline Künkler
Dr. Karoline Künkler
Studium der Bildenden Kunst, Kunstgeschichte, Kunstsoziologie, Erziehungswissenschaften und Germanistik an der Kunstakademie sowie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dort Promotion mit der Dissertation „Aus den Dunkelkammern der Moderne. Destruktivität und Geschlecht in der Bildenden Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts“ (erschienen 2012). Dozentin und Autorin für Kunstgeschichte, Lehraufträge an den Universitäten Oldenburg und Düsseldorf.